Kanalgeruch zieht durch den Keller, nach einem Starkregen sammelt sich Wasser vor der Kellertür oder die bodengleiche Dusche lässt das Wasser nur noch langsam abfließen. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Abläufe selbst reinigen und woran Sie erkennen, dass die Ursache weiter hinten in der Leitung steckt.
Aufbau eines Bodenablaufs: Diese Teile gehören dazu
Fest im Estrich verankert sitzt der Ablaufkörper, der mit der Abwasserleitung verbunden ist. Darüber befindet sich ein höhenverstellbares Aufsatzstück, das an die Bodenabdichtung angeschlossen wird. Ganz oben liegt das Ablaufgitter, darunter in der Regel ein herausnehmbarer Schmutzfangkorb sowie der Geruchsverschluss.
Das zentrale Bauteil ist der Geruchsverschluss. In ihm steht dauerhaft eine kleine Menge Wasser, das sogenannte Sperrwasser. Es riegelt die Leitung ab und sorgt dafür, dass Kanalgase nicht in den Raum gelangen. Verdunstet das Wasser oder wird es abgesaugt, ist der Raum unmittelbar mit dem Kanal verbunden. Gitter und Korb fangen groben Schmutz ab, bevor er in den Geruchsverschluss und weiter in die Grundleitung rutscht. Die Anforderungen an Bodenabläufe sind in der DIN EN 1253 festgelegt, für Rinnen gilt die DIN EN 1433.
Keller, Garage, Kellertreppe und Bad: Anforderungen je Standort
Die Übersicht zeigt, worauf es je Einsatzort ankommt und welche Probleme typisch sind.
Übersicht: typische Abläufe im Haus
| Einsatzort | Worauf es ankommt | Typisches Problem |
|---|---|---|
| Keller (Waschküche, Heizungsraum) | Geruchsverschluss, Rückstausicherung | Sperrwasser verdunstet, Kanalgeruch, Rückstau bei Starkregen |
| Garage | Gitter für Fahrzeuglast, Vorgaben der Entwässerungssatzung | Sand, Streugut, Laub, Ölreste |
| Kellertreppe, Terrasse, Hof | Großer Schmutzfang, freier Ablauf bei Regen | Laub verstopft das Gitter, Wasser drückt unter die Kellertür |
| Bad, bodengleiche Dusche | Saubere Anbindung an die Abdichtung | Haare und Seifenreste, Undichtigkeit am Anschluss |
Das Gitter muss in seiner Belastungsklasse zum Standort passen.
Bevor Sie in der Garage etwas umbauen, sollten Sie klären, ob der Ablauf überhaupt mit dem Kanal verbunden sein darf und ob ein Abscheider vorgeschrieben ist. Maßgeblich ist hier die örtliche Entwässerungssatzung. Bei Abläufen an Kellertreppen und Terrassen ist entscheidend, dass das Wasser ungehindert abfließen kann. Schon ein mit Laub zugesetztes Gitter genügt bei einem Sommergewitter, damit Wasser über die Schwelle in den Keller strömt.
Schritt für Schritt: Bodenablauf und Ablaufgitter sauber machen
Für eine Grundreinigung genügen meist Handschuhe, eine alte Bürste und ein Eimer Wasser. Für Keller- und Garagenabläufe empfiehlt sich ein- bis zweimal im Jahr eine Reinigung. Abläufe an der Kellertreppe sehen Sie sich außerdem nach dem Laubfall an. Duschabläufe im Bad benötigen je nach Nutzung alle paar Wochen eine Reinigung. Bei Entwässerungsrinnen mit langem Gitter, etwa in Garage oder Dusche, heben Sie die Gitterabschnitte einzeln ab und spülen die Rinne auf ganzer Länge aus. Anschließend leeren Sie den Einlauf bzw. den Sammeltopf mit Schmutzfang am Rinnenende.
So gelingt die gründliche Reinigung
- Gitter abnehmenDrehen Sie eventuell vorhandene Schrauben heraus und heben Sie das Gitter behutsam mit dem Schraubendreher an. Stark verkrustete Gitter weichen Sie zuvor mit warmem Wasser ein, damit sich der Rand nicht verbiegt.
- Schmutzfangkorb und Geruchsverschluss herausziehenEntnehmen Sie den Korb und ziehen Sie den Einsatz des Geruchsverschlusses nach oben heraus. Den groben Schmutz entsorgen Sie über den Restmüll, nicht über die Toilette.
- Teile reinigen und prüfenSäubern Sie sämtliche Teile mit warmem Wasser und Spülmittel. Bürsten Sie auch den zugänglichen Ablaufkörper aus. Kontrollieren Sie den Dichtring auf Risse und achten Sie darauf, dass er korrekt in seiner Nut liegt.
- Zusammensetzen und Sperrwasser auffüllenSetzen Sie den Geruchsverschluss genau passend ein, legen Sie den Korb auf und montieren Sie das Gitter. Schütten Sie anschließend einen Eimer Wasser nach. Damit füllen Sie das Sperrwasser wieder auf und erkennen zugleich, ob das Wasser zügig abfließt.
Kanalgeruch und Rückstau im Keller: Worauf Sie bei den Ursachen achten sollten
Wenn es im Keller nach Kanal riecht, ist in den allermeisten Fällen das Sperrwasser verdunstet. Besonders rasch geschieht das in Heizungsräumen mit warmer, trockener Luft und bei Abläufen, durch die über Monate kein Wasser fließt. Bringt das Nachfüllen nur kurzfristig Besserung, kann der Geruchsverschluss undicht sein. Dann sitzt der Einsatz nicht gerade oder die Dichtung ist porös geworden.
Tritt Wasser aus dem Ablauf aus, statt hineinzufließen, handelt es sich um einen Rückstau. Nach DIN 1986-100 müssen Abläufe unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau gesichert werden – das betrifft fast alle Kellerabläufe. Die Rückstauebene entspricht in der Regel der Höhe der Straßenoberkante. Ist der öffentliche Kanal bei Starkregen überlastet, steigt das Wasser über die Hausleitung nach oben. Abhängig von der Abwasserart schützt ein Rückstauverschluss oder eine Hebeanlage, die gemäß Herstellerangaben regelmäßig gewartet werden muss.
Diese Hinweise sprechen dafür, dass das Problem nicht im Ablauf selbst, sondern tiefer in der Leitung steckt:
- Es gurgelt im Ablauf, sobald weiter oben im Haus die Waschmaschine abpumpt.
- Trotz frisch gesäubertem Geruchsverschluss fließt das Wasser nur langsam ab.
- Auch ohne Regen steht der Kellerablauf wiederholt unter Wasser.
- Rund um den Ablauf zeigen sich feuchte Stellen oder Risse im Estrich.
Wann Sie einen Fachbetrieb hinzuziehen sollten
Die Reinigung des Ablaufs bekommen Sie problemlos selbst hin. Liegt die Ursache jedoch in der Grundleitung unterhalb der Bodenplatte, helfen Bürste und Eimer nicht mehr weiter. In älteren Bremer Häusern sind es häufig verschobene Muffen oder Risse in alten Steinzeug- und Betonrohren. Dann bringt nur ein Blick ins Innere des Rohrs Gewissheit.
Selbst Hand anlegen oder Fachbetrieb beauftragen?
Das können Sie selbst übernehmen
- Gitter und Schmutzfangkorb säubern
- Geruchsverschluss herausnehmen und reinigen
- Sperrwasser in regelmäßigen Abständen auffüllen
- Laub von Kellertreppe und Terrasse beseitigen
Hier sollte ein Fachbetrieb ran
- Wiederholter Rückstau oder Gurgelgeräusche
- Verstopfung hinter dem Geruchsverschluss
- Undichte Stelle am Anschluss zur Abdichtung im Bad
- Verdacht auf Schäden an der Grundleitung
Bei einer Kanal-TV-Untersuchung wird eine Kamera durch die Leitung geführt, die exakt zeigt, wo der Schaden liegt. Häufig genügt im Anschluss eine Rohrreinigung. Bei Rissen oder undichten Verbindungen können viele Leitungen grabenlos per Schlauchliner oder Kurzliner saniert werden, ohne den Kellerboden aufzustemmen. Ob die Leitung anschließend wieder dicht ist, weist eine Dichtheitsprüfung nach.





